Auf dieser Wanderung kommen wir dem Kalk auf die Spur und erkunden das Münsterländchen rund um Hahn und Walheim.
Auf dieser Wanderung kommen wir dem Kalk auf die Spur. Bereits kurz nach dem Start an der Freizeitanlage Walheim präsentiert sich die einst größte Kalkbrennanlage im Eifel-Ardennen-Raum direkt an unserem Weg. Sie entstand um die Jahrhundertwende des 19./20. Jhs. und hatte ihren Höhepunkt ab 1914 bis schließlich 1968 der Betrieb eingestellt wurde.
Heute sind viele der sogenannten Aachener Trichteröfen im Raum Walheim-Hahn als Industriedenkmäler restauriert. Etwas weiter im Hainbuchen-Niederwäldchen lugen, abgesichert durch Zäune, mächtige Kalksteinwände durch das lichte Laub. Vom dortigen Steinbruch wurden die Kalköfen seit den 1950er Jahren versorgt. Mittlerweile haben Bäume, Sträucher, Moos und Efeu das Terrain zurückerobert. In einer überwachsenen Böschung am Wegesrand können wir Reste des Kalkabraums entdecken.
Ein idyllischer Waldpfad führt durch ein wildes Wäldchen der plätschernden Inde entlang, bis wir mitten in wilder Natur auf einen wahren Riesen treffen. Das mächtige turmartige Bauwerk „In der Au“, stammt von 1899 und ist ein Kalkofen, der bis in die 1940er Jahre in Betrieb war. Am hochaufragenden Gebäude lässt sich leicht nachvollziehen, wie der Brennvorgang einst vor sich ging.
Der neun Meter hohe Hohlschacht wurde von oben schichtweise mit Kalkstein und Brennmaterial (Holz, Holzkohle später Steinkohle, Koks) befüllt. Die Brennzone des Ofens erreichte Temperaturen von bis zu 1.200 Grad. Das Loch am Fuß des Bauwerks sorgte für Frischluft und Sauerstoff, der durch die heiße Ofenluft nach oben gezogen wurde und auf seinem Weg das CO2 des erhitzten Kalkgesteins mitnahm. Übrig blieb gebrannter Kalk, der unten im Ofen landete. Er kam unter anderem als Mörtel oder Dünger zum Einsatz.
Die zahlreichen Kalksteinbrüche des Münsterländchens waren einst wichtige Einkommensquelle der Abtei Kornelimünster. Bis 1802 währte die fast 1.000 jährige Selbstständigkeit des Territoriums dem auch das Gebiet unserer Wanderung angehörte.
In Hahn begegnet uns der Kalkstein in den traditionellen Häuserreihen entlang alter Straßen und Gassen. In der Geschichte des Ortes sorgten neben dem Ackerbau die umliegenden Steinbrüche und Kalköfen für Arbeit und erlebten mit der Eröffnung der Vennbahn ab 1885 einen wahren Aufschwung. Heute schläft ein örtlicher Kalkbrennofen in Efeu gehüllt am Straßenrand.
Steinkreuze auf dem Friedhof erinnern an die Zeiten der Abtei. Vor der heutigen neugotischen Pfarrkirche gab es im Mittelalter eine Marienkapelle mit einem benachbarten Spital, in dem sich fußkranke Pilger aus der Eifel auf dem Weg zur Abtei erholen konnten. Heutige Wanderer pausieren in dörflicher Dorfidylle am lindenbestandenen Blechheimer Kreuz. Hier am Brunnen tränkte man das Vieh und traf sich zum Wäschewaschen. Heute schmücken Blumen den alten Brunnentrog.
Auf dem Weg hinaus in die grüne Weidelandschaft begegnet uns Kalk als Naturdenkmal. Der Bereich um den Mönchsfelsen ist geschützte Heimat für seltene Pflanzen wie Orchideen, Knäuelglockenblumen oder Schlüsselblumen. Gespenstisch wird es in der Winterdämmerung, wenn seine Umrisse einen Riesen in Kutte erahnen lassen.
Unsere Runde führt weiter ins Münsterwäldchen. Am Waldrand eröffnen sich herrliche Panoramablicke Richtung Aachen aus denen die Abteikirche, die Kirchen von Brand und Breinig, der Lousberg und die Alsdorfer Halden herausragen. Beim Ortsdurchgang in Friesenrath strahlt uns wieder der Kalkstein, Blaustein genannt, an Kirche, alter Schule und vielen Häusern an. Zurück am Freizeitgelände warten attraktive Spielgeräte und zur Saison ein Imbiss mit Erfrischungen.
Streckenhighlights
Text: Bettina Kreisel
Bitte bleibe auf den ausgewiesenen Wegen.
Nutzen Sie für die individuelle Planung Ihrer Anreise mit dem PKW unseren Anfahrtsplaner und geben Sie als Zielort "Freizeitgelände Walheim" ein.
Parkplatz am Freizeitgelände Friesenrath
Bushaltestelle "Walheim Freizeitgelände"