Wo Milch und Wasser fließen - Grenzenloses Butterländchen

Art der Tour:Wandern
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Schwierigkeit:sehr leicht
Dauer2:30 h
Länge9,3 km
Aufstieg58 hm
Abstieg58 hm
Höhenprofil
StartStart: Parkplatz Töpfereimuseum Raeren
ZielStart: Parkplatz Töpfereimuseum Raeren

Beschreibung

 Unterwegs erwarten uns herrliche Ausblicke über die weite Weiden- und Heckenlandschaft des Eupener Butterländchens, alte Blausteingemäuer, stattliche Herrenhäuser, eine ehemalige Filzfabrik und ein vergangenes Kloster.


Auf dieser Wanderung gönnen wir uns einen gemütlichen Landspaziergang. Auf ruhigen Wegen geht es einem alten Kirchweg zwischen Sief und Raeren folgend, entspannt eben entlang des weiten Marienthals, mal asphaltiert, mal ganz einfach querfeldein über die üppigen Weiden.

Burg Raeren, Haus Zahlepohl und Haus Raeren erzählen von den ursprünglichen Kernorten, aus denen das heute verstreut liegende Raeren entstand. Hier am Zusammenfluss von Periol- und Iterbach entwickelten sich die alten Ortskerne von Raeren und Neudorf. Einen wahren Aufschwung gab es insbesondere, nachdem sich Töpfermeister hier angesiedelt hatten. Der Standort war günstig, das Umfeld bot ausreichende Tonvorkommen und Holzvorräte. Für den Vertrieb sorgten Fuhrleute, die von der verkehrsgünstigen Lage am Öslinger Weg zwischen Aachen und Trier und der alten Römerstraße Kinkebahn als West-Ost-Verbindung profitierten.

Die kunstvoll verzierten Krüge landeten auf Märkten nah und fern und fanden Absatz bei Adelshäusern in ganz Europa. Manches wertvolle Stück findet sich heute in international bekannten Museen wie dem Louvre wieder. Vor Ort bietet das Töpfermuseum in der Burg einen spannenden Gesamtüberblick über die Geschichte des Raerener Steinzeugs.

Die damaligen Kannenbäcker errichteten ihre Häuser inklusive Werkstatt und Stallungen quer zur Straße. Stieg mit der nächsten Generation der Platzbedarf, so wurde das Gebäude einfach seitlich verlängert.

Nach einem idyllischen Dorfspaziergang empfangen uns Hecken als ständige Wegbegleiter und die Szenerie wechselt zu einem weiten grünen Panorama mit verstreut liegenden Höfen. Die fruchtbaren Wiesen des Iterbachs zur Viehfütterung und das kalte Wasser zur Kühlung bildeten Grundlagen für die Butterherstellung, die hier eine lange Tradition hat. Heute sind nur noch wenige Betriebe geblieben, doch können wir bei einem ins Milchhäuschen einkehren und Frischmilch vom Automaten zapfen.

Wir erreichen die Ortslage Sief, deren Name so viel bedeutet wie „aus der Erde quellender Bach“ und auf den Wasserreichtum dieser Gegend hinweist. Vorbei geht es am Standort einer ehemaligen Filzfabrik von 1913, deren denkmalgeschützte Gebäude bis heute erhalten sind. Vorher hatte es eine Eisenschmelze am Standort gegeben, gefolgt von einer Lohnweberei mit 120 Angestellten. Sie alle hatten die Kraft und die weiche Qualität des Wassers zu schätzen gewusst. Im nahegelegenen Brandenburg, ursprünglich Rittergut aus dem 15. Jh. und bis 1784 Kreuzherrenkloster, sorgte das Wasser für Mühlenantrieb und wie bei Burg und Haus Raeren für Absicherung im Wassergraben.

Auch für die heutige deutsch-belgische Grenzziehung spielte das Wasser eine entscheidende Rolle. Über Jahrhunderte war Sief ein Teil von Raeren gewesen, das zunächst im Herzogtum Limburg und später im Kanton Eupen lag. Nach der Grenzziehung von 1920 wurde Sief belgisch und mit ihm auch das städtische Grundwasserwerk Brandenburg, das seit 1888 für 65% des Aachener Trinkwassers sorgte. Nach Protesten der Stadt wurde die Grenzziehung 1921 korrigiert und Sief als Stadtteil von Aachen eingemeindet. Grenzsteine wie am Übergang des Iterbachs oder ein ehemaliges Zollhaus von 1927 zeugen von der internationalen Grenze, das grenzenlose Butterländchen kümmert das jedoch wenig.

Highlights entlang der Strecke:

  • Töpfereimuseum
  • Marienthal
  • Ortskern Raeren
  • Ehemalige Filzfabrik Bossbach
  • Brandenburg

Text: Bettina Kreisel

Impressionen

Weitere Infos